Interview zum Kinderhilfsprojekt Selo Mira in Bosnien-Herzegowina

Büdingen, 13.12.2011

 

Das 1998 gegründete Kinderdorf Selo Mira liegt in Zentralbosnien, einer vom Bürgerkrieg schwer betroffenen Region. Bei Gründung ging es der Stiftung zuerst um Wohnhäuser für Familien in denen 150 Kriegswaisen aufgenommen werden konnten. Hier lebten immer 10 Kinder mit einer „Mutter“ und einer „Tante“ zusammen in einem Haus und versuchten die schreckliche Vergangenheit zu vergessen und eine unbeschwerte Kindheit nachzuholen. Bis heute besteht das Kinderdorf und nimmt mittlerweile immer mehr Kinder auf die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen.

Das Dorf wurde nach und nach erweitert und ermöglicht den Kindern ein familiäres Leben, eine solide Schulbildung und sogar eine Begleitung in den späteren Beruf. Im Kinderdorf gibt es unter anderem Ausbildungsstätten für das Friseurhandwerk und für Kraftfahrzeugtechnik. In der dorfeigenen Backstube können die Kinder z.B. eine Bäckerlehre machen.

Auch um die gesundheitliche Versorgung wird sich nach Kräften bemüht. Einmal pro Woche kommt ein Kinderarzt aus der Stadt ins Kinderdorf. Den zahnmedizinischen Bereich organisiert Frau Sabina Ramic, eine in Deutschland ausgebildete Prophylaxe-Fachkraft. Sie führt im Kinderdorf selbständig Prophylaxemaßnahmen durch. Da in Bosnien ein Zahnarztbesuch allerdings eine reine Privatleistung ist waren viele Kinder vorher noch nie bei einem Zahnarzt und Ihr Zahnzustand erfordert mehr als nur Prohylaxemaßnahmen.

Guten Morgen Herr Kerzendorf, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben uns von Ihrem Verein und dem Kinderdorf Selo Mira zu erzählen. Wie genau kamen Sie dazu sich im bosnischen Kinderdorf Selo Mira zu engagieren und ihr zahnmedizinisches Wissen der Stiftung "Kinderzukunft" zur Verfügung zu stellen?
Hier kommt unser Verein ZAB ins Spiel. Mein Kollege Dr. Hameister und ich haben vor ungefähr 7 Jahren angefangen das Kinderdorf regelmäßig zu besuchen, durch den Kontakt zu Frau Ramic haben wir es geschafft dort eine kleine Einzimmerpraxis aufzubauen. Wir haben uns dann mit weiteren Kollegen über den ZAB gegenüber der Stiftung verpflichtet, die zahnärztliche Betreuung der Kinder von Selo Mira zu übernehmen. Sabina Ramic hat in Gründau als Bürgerkriegsflüchtling bei einem Kollegen Ihre Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten gemacht, nach dem Krieg kehrte sie in ihre Heimat zurück um aktiv beim Wiederaufbau ihres Landes zu helfen. Frau Ramic unterstützt unsere zahnärztliche Arbeit, uns wiederum unterstützt die Firma M+W Dental tatkräftig mit Sachspenden.

Im kommenden Februar wird Frau Ramona Maul von M+W Dental unsere Reise begleiten und mir bei Behandlungen assistieren. Bevor sie in die Kundenbetreuung bei der Firma M+W wechselte arbeitete sie 6 Jahre in der Praxis von Dr. Hameister und damals noch meinem Vorgänger Dr. Franz. Sie ist noch heute mit unserer Praxis verbunden und gut mit Ihren ehemaligen Kolleginnen befreundet. Frau Maul wollte mich schon seit längerer Zeit einmal begleiten, da sie sich schon immer für das Projekt begeistert hat. Zudem verspricht sie sich von dem Ausflug in Ihre berufliche „Vergangenheit“ auch für Ihre jetzige Tätigkeit bei dem Dentalversandhandelsunternehmen M+W einiges mitnehmen zu können.

Wie genau sehen diese Besuche aus?
Einer von uns Zahnärzten fährt für 2-3 Tage mit einer Helferin nach Bosnien-Herzegowina und erlebt nach nur einem Tag Anreise eine ganz andere Welt. Durch den furchtbaren Bürgerkrieg ist der Staat in seiner ganzen Entwicklung bestimmt 50 Jahre hinter der Zeit zurückgeblieben. Es mangelt an allen Ecken und Enden, die Spuren des Krieges sind allgegenwärtig. Angekommen im Dorf nahe Turija beginnen wir direkt mit der Behandlung der Kinder.

Welche Ausgangssituation finden Sie bei den Kindern vor?
Durch die unterjährigen IP-Maßnahmen von Frau Ramic nach hiesigem Vorbild hat sich der Zustand der Kinderzähne über die Jahre deutlich gebessert. In dieser Entwicklung kommt zum Ausdruck, dass durch konsequente Prophylaxe und Ernährungssteuerung durch zahnmedizinische Fachkräfte der Karies stark eindämmbar ist. Am Anfang haben wir praktisch 8 Stunden am Tag Füllungen gemacht. Zum Teil bei allen Zähnen eines Kindes. Mittlerweile ist das nicht mehr so schlimm. Dennoch überwiegen die erhaltenden Maßnahmen. Wir arbeiten hier genauso wie wir es in unserer Praxis in Büdingen tun würden. Die Kinder erhalten eine Anästhesie, die Instrumente werden sterilisiert und die Zähne gefüllt statt gezogen. Wir arbeiten vollständig amalgamfrei, die Füllungen bestehen im Kern aus lichthärtendem Glasionomerzement und einem Komposit für die Kaufläche. Bei nervennahen Füllungen arbeite ich mit Dropsin. Das hat sich bewährt.

Wenn früher häufiger auch mal Zähne gezogen wurden engagieren Sie sich nun also zum Teil auch über das normale Maß heraus für deren Erhalt. Welcher Gedanke steht dahinter?
Wir wollen den Kindern nach Möglichkeit Zeit geben sich mit Ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen. Verdienen Sie später Geld können Sie sich eigenständig überlegen selber etwas für den Zahnerhalt zu tun.

Unterstützung können Sie sicherlich immer brauchen Herr Kerzendorf? Bewerben Sie Ihr Projekt aktiv und wie sammeln Sie spenden?
Wer Interesse an dem Projekt hat findet Informationen auf der Website der Stiftung Kinderzukunft und unseres Fördervereines www.zab-zahnarzt.de. Über die Stiftung Kinderzukunft kann auch eine Kinderpatenschaft übernommen werden.
Unterstützung aus dem zahnmedizinischen Bereich bräuchten wir höchstens in Form von einer Sachspende an Hand- und Winkelstücken. Alle weiteren Verbrauchsmaterialien erhalten wir von M+W Dental. Wie bereits erwähnt hilft uns das Unternehmen seit Jahren mit Sachspenden. Generell suchen wir aber immer fleißige Helferinnen die Interesse haben uns zu begleiten.

Und ein kleiner Tipp für die Kollegen die sich nun vielleicht auch engagieren möchten: auch die vielen staatlichen Kinderheime würden sich sicherlich über ein ähnliches Hilfsprojekt freuen.

Herr Kerzendorf vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

Pressekontakt
Petra Rinker, Assistentin der Geschäftsführung
Tel.: 0 60 42-88 00 54
Fax: 0 60 42-88 00 474
petra.rinker(at)mwdental.de

 

 

M+W Dental ist das größte Versandhandels-Unternehmen für dentale Verbrauchsgüter in Europa. Das Unternehmen mit Sitz in Büdingen bei Frankfurt bearbeitet mit knapp 200 Mitarbeitern rund 200.000 Aufträge im Jahr. Zu den Kunden gehören schwerpunktmäßig Zahnärzte und Dentallabore.